Archiv für November 2009

quote des wochenendes

Sie (aus einem irgendwie linken Jugendverband und sehr erbost):


„Eh sag mal spinnst Du! Dein Verhalten ist mal voll nicht gelebte Demokratie!“

Ernst gemeint!

Ansonsten ist es das Beste mit guter Musik im ipod nach Berlin zu fahren und sich wahnsinnig auf jemanden zu freuen :D

Zum Beispiel mit diesem Song, der als original schon klasse ist, aber durch diesen remix noch feiner ist:

wer erinnert sich noch…

…an die ostpocken :D

das war notwehr

Über das Andi Comic des Verfassungsschutz NRW gegen jeglichen Extremismus wurde in der blogger-Szene ja schon so Einiges geschrieben. Mehr Totalitarismustheorie geht gar nicht. Ein Gutes hat es:
die Layouts für die nächsten Jugend-Antifa-Flyer dürften für die nächsten Monate abgedeckt sein.

Mein Favorit:

auf die straßen…

la roux – bulletproof

es gibt kein ende der geschichte…

…aber einen entschiedenen Demostopp an der Bullenkette.

bambi

Am 07.November fand in Berlin die Demo „Es gibt kein Ende der Geschichte – Gegen die Herrschaft der falschen Freiheit“ der „linken SplittergruppeTOP B3rlin statt. Nachdem der Aufruf und das Plakat zur Demo sehr ansprechend waren, war ich nach der Radio-Diskussion zwischen TOP und tatsächlich unbedeutenden Splittergruppen vollends überzeugt zur Demo zu gehen.
Dort dann am Samstag angekommen bot sich anfänglich eher das Bild einer Kiez- denn einer bundesweiten Demo. Vielleicht 3-400 Personen waren am Anfang auf der Demo.
Bei guter Musik und sehr angenehmer Moderation dauerte es dann auch nicht lange bis die Demo losgehen sollte. Das wiederem sahen die freiheitsliebenden Berliner Bullen mal wieder gänzlich anders und stoppten in bekannter Manier die Demo. Es scheint, als müsste TOP immer das ausbaden, was in der Berliner linksradikalen Szene die Monate vor ihren Demos passiert – waren es im Mai die verletzten Bullen im Nachgang der 1.Mai-Demo so werden es diesmal Brandanschläge auf Luxuskarossen und die Freisprüche für die vermeintlichen BrandstifterInnen gewesen sein, welche die Bullen dazu bewegten eben nicht Fünfe grade sein zu lassen.
Nach dem Stress ging die Demo dann aber ohne weitere Probleme durch Mitte, wenn auch nicht durch die gesammte Friedrichsstraße. Gut waren die Redebeiträge aus Köln (kann aber auch sein, dass ich das nun falsch in Erinnerung habe) und an der Synagoge von der AIM. Schlecht war, dass einige Redebeiträge als mp3 abgespielt wurden – das bringt nur selten einen positiven Effekt – meistens klingt es zu glatt, zu unkämpferisch und es kann eben nicht auf Momente im Demogeschehen eingegangen werden. Sehr positiv waren die vielen inhaltlich guten und mitunter sehr schicken Transpies. Vor allem das NEA-Riesen-Transpi ist zu erwähnen. Auch die Parolen wussten zu gefallen – „One solution – Revolution“, „Gegen das Konstrukt von Volk und Rasse – bei uns gibs nur eins: Klasse gegen Klasse“ (!) und „li li liberta anarchia total“, dass alles auf einer Ums Ganze Demo, da wurde es doch ganz wohlig ums Herz. Nein ernsthaft: war gut und an manchen Stellen, wusste die Demo mit nunmehr ca. 1200 Personen eine sehr gute Stimmung zu machen. Sehr positiv ist zu erwähnen, dass wirklich gar keine Nationalfahnen das Demobild bestimmten bzw. es einfach keine gab – die TOP und Ums Ganze scheinen es hierbei ernst zu meinen mit dem propagierten Antinationalismus.

Nachdem die Demo vernünftigerweise zügig am Hackeschen Markt aufgelöst wurde, begab ich mich in den Wilden Osten und schon auf den Weg dorthin war es möglich den verrücktesten Krakentango zu beobachten (90er Jahre style at its best: von weißer Bomberweste bis zum obligatorischen Dosenbier in der S-Bahn war alles dabei). Wie nicht anders in Berlin zu erwarten hatte Team Green alles im Griff.

Fazit zur Demo:
Alles in allem hat es gut gefallen. 2000 Personen auf der Demo, wie TOP schreibt, waren es aber auf keinen Fall. Es gibt inhaltlich nix zu nörgeln. Berliner Bullen sind die härtesten und beschissensten in Deutschland. Man darf gespannt sein, wozu TOP und Ums Ganze die nächste Zeit arbeiten werden.

Fazit zum Abend:
Es gibt im Zusammenhang zu Kategorie C einfach keine Diskussion: jede Band hat das Publikum das sie verdient – und das sind bei einer Nazi-Band wie KC einfach massenweisse dreckige Dorfnazis und Faschohools.

klopfer

Randale gegen Brandstifter Berlin 1992

man mag es nicht glauben…

…aber auch in der jungle world gibt es Artikel die ich mehr als empfehlenswert finde und die den Bereich Antifa in etwas anderer Form tangieren. Der hochgeschätzte Georg Fülberth vor ein paar Wochen zur Mauer…

Die Mauer erfüllte ihren Zweck

Der Mauerfall war nicht nur ein Grund zum Jubel. Das Bauwerk war ebenso wie die Besatzung Deutschlands eine Art Diktatur zur Erziehung der postfaschistischen Gesellschaft.

von Georg Fülberth

Die Freundinnen und Freunde der DDR in der Bundesrepublik sind nicht gerade zahlreich gewesen. Dass sie in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1989 nicht mitgejubelt haben, dürfte nicht weiter aufgefallen sein. Unter den damals so Begeisterten müssten sich aber einige befunden haben, die Anlass zur Dankbarkeit nicht nur für den Fall der Mauer, sondern auch für ihren Bau 1961 hatten. Das waren die Zivilgesellschaftler. Mit etwas Nachsicht kann man darunter diejenigen verstehen, die sich immer eine nach innen und außen friedfertige und sozialstaatlich wohlgeformte Bundesrepublik gewünscht haben, sagen wir mal: wie Skandinavien. 1945 hatten die vier Siegermächte Deutschland ja unter Sicherungsverwahrung genommen, und die USA hatten Reeducation verordnet.

Letztes Jahr schrieb Götz Aly, es sei Konrad Adenauer gewesen, der zusammen mit Hans Globke bereits in den fünfziger Jahren dieses Programm verwirklicht habe. Er irrte. Dieses Verdienst kam erst der Mauer zu. Sie zwang die Bundesrepublik, sich endlich selbst ernst zu nehmen, nachdem ihr der Osten vorerst verbaut worden war. Bis dahin verstand die Bundesrepublik sich als das Deutsche Reich im Wartestand und in den Grenzen von 1937. Diesen Anspruch hat sie sich zwar auch später noch, nämlich 1973, vom Bundesverfassungsgericht bestätigen lassen, aber da wurde das nicht mehr so richtig ernst genommen. Der Grund war die Mauer.

Bevor sie gebaut wurde, hatte die BRD nur wenig Geld für Bildungsinfrastruktur aufgebracht. Warum auch? Abiturient(inn)en, Ärzte, Ingenieure und Facharbeiter kamen kostenlos aus der DDR. Zwei Jahre nach dem 13. August 1961 rief der Philosoph Georg Picht die (west-)»deutsche Bildungs­katastrophe« aus, Schulen und Univer­sitäten wurden hastig ausgebaut. Damit begann der Aufstieg der Intelligenz als Massenschicht und der Weg nach 1968.

Der Mauerbau wurde zwar als große Frechheit beklagt, dass »der Westen« ihn aber nicht hatte verhindern können, löste doch Nachdenken aus, und dies allein ist ja schon eine nützliche Tätigkeit. Man kam zu dem Ergebnis, dass der Sozialismus sich ungestraft einiges leisten konnte, also recht stark war. Um ihn zu beseitigen, musste man intelligentere Mittel ersinnen, zum Beispiel den »Wandel durch Annäherung«. Die BRD ist durch die Mauer also klüger geworden.

Die Integration von Angehörigen der alten Eliten, die das Dritte Reich mitbetrieben hatten, in die Machtstruktur der Bundesrepublik hatte die ersehnte Wiedervereinigung nicht näher gebracht. Im Gegenteil: Kaum jemand auch im westlichen Ausland wünschte wirklich, dass ein Land mit einer solchen Innenarchitektur wieder zur alten Machtfülle gelangen solle. Wer wiedervereinigt werden wollte, musste Reue zeigen. Also begann jetzt, in den sechziger Jahren, allmählich die Auseinandersetzung mit der Zeit zwischen 1933 und 1945: Auschwitzprozess in Frankfurt/Main, Enthüllungen über die Vergangenheit von Professoren, Richtern und hohen Beamten.

Der Weg der Bundesrepublik nach Westen war nach 1949 zunächst als militärpolitische Anbindung sowie in der Rezeption von US-amerikanischen Kulturprodukten und dem Konsum von Genussmitteln erfolgt. Jetzt schaute man sich, da man in der eigenen Nationalstaatlichkeit keinen rechten Halt mehr fand, etwas genauer in der neuen europäischen und atlantischen Heimat um und entdeckte den Vietnam-Krieg. Die BRD-Linke sah sich als Teil einer weltweiten antiimperialistischen Bewegung. Ohne die Mauer im Rücken wäre man mit national Näherliegendem befasst geblieben, zum Beispiel mit der wachsenden Zahl von Flüchtlingen aus der DDR.

Die Sicherungsverwahrung für Deutschland war von der Anti-Hitler-Koalition als gemeinsames Projekt geplant gewesen: als jahrzehntelange Besetzung und Erziehung dessen, was vom alten Reichsgebiet übrig geblieben war. So ist es dann ja auch gekommen, mit dem Beginn des Kalten Krieges allerdings in deutlich veränderter Form: Nicht ein ganzes Deutschland wurde domestiziert, sondern zwei halbe. Die von allen vier ehemaligen Alliierten trotz gegenteiliger Beteuerung vorerst nicht gewünschte deutsche Einheit hätte sich in den sechziger Jahren durch einen Zusammenbruch der DDR wiederhergestellt, wäre 1961 der Bau der Mauer unterblieben. Dann hätte man auch die fortdauernde Erziehungsarbeit an den Deutschen abbrechen müssen.

Als das Bauwerk 1989 fiel, war eine neue Generation herangewachsen, die gelernt hatte, sich besser zu benehmen. Die Mauer war also eine Art heilsamer Erziehungsdiktatur gewesen, die jetzt, da ihr Zweck erfüllt war, überflüssig geworden war. Man sollte ihr in diesem Sinn ein ehrendes Andenken bewahren.

Quelle jungle world, nr 39, 2009

mehr als geil…