Archiv für April 2009

auto-aggression

Aus der taz auf die Frage: „Also gibt es keine Revolte, und alles geht weiter wie bisher? Ist das Ihr Fazit?“

Nein. Protestbewegungen sind Teil einer demokratischen Kultur, durch die sich ausgegrenzte Interessen immer wieder Gehör verschaffen. Aktuell droht aber eher eine Erosionskrise. Dazu gehören vielfältige Ausgrenzungserfahrungen: auf dem Arbeitsmarkt, in abgehängten Regionen, in einer verfallenden öffentlichen Infrastruktur. Hierzulande wenden die Menschen solche Erfahrungen aber eher gegen sich selbst – etwa in Depressionen, Sucht oder Suizid. […]

Juhu – Stöckchen!

mosaic

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- Type in your answer to each question.
- Choose a picture from the first page.
- Use this website (http://bighugelabs.com/flickr/mosaic.php) to make your collage.

QUESTIONS:

1. What is your name?
2. What is your favorite food?
3. What is your hometown?
4. What is your favorite color?
5. What is your favorite movie?
6. What is your favorite drink?
7. What is your dream vacation?
8. What is your favorite dessert?
9. What is one word to describe yourself?
10. How are you feeling right now?
11. What do you love most in the world?
12. What do you want to be when you grow up?

Los toasty, jesse, ignaz und else - vielleicht habt ihr ja auch Lust!

drei youtube videos

Zum Abend noch drei Empfehlungen meinerseits:

Danke an *J*

AFI mag ich garnicht. Aber dieser Song ist klasse! Danke an Else und verrückte I-Phone Programme!

Sehr schönes Mobi-Video zum 1. Mai in Berlin!

70Jahre Spanischer Bürgerkrieg

Gestern Abend bei der Veranstaltung: 70 Jahre Spanischer Bürgerkrieg im Festsaal Kreuzberg gewesen. Mir hat es sehr gut gefallen. Vor allem der Zeitzeuge hatte interessante, komische und tragische Anekdoten zu berichten.

Unangenehm waren, wie bei dem Thema aber zu erwarten, vor allem manche Nachfragen aus dem Publikum – aber auch mit einer gewissen ganz eigenen Komik.

Exemplarisch dafür die Frau vom Spartakist:

„Wir müssen die Volksfront von VVN-BDA und Linkspartei verhindern – die sich jedes Jahr wieder bildet auf dem Tag der Mahnung!“

Äääähhh okay…

Dementsprechend genervt fand man sich nach der Veranstaltung wieder auf Hof zusammen und wertete die Veranstaltung aus, als wieder ein, diesmal männlicher Vertreter des Spartakist zu uns kam und uns die hauseigene Zeitung andrehen wollte.

Parade des hochgeschätzten Ignaz: „Nein Danke ich bin schon links!“
Konter des Spartakisten: „Ja, vielleicht so links wie Petra Pau!“

(der war ganz gut)

Ansonsten freue ich mich auf die folgenden Veranstaltungen wieder im Festsaal, nächsten Donnerstag 19.00Uhr und die Woche drauf Mittwoch zur gleichen Zeit.

joanna newsom

joanna newsom – sprout and the bean

Joanna Newsom – Peach Plum Pear

new day, new enemies

zum aufmuntern…

schön.

ACAB worldwide!

Neue Erkenntnisse im Fall des Toten von London!

Antwort:
cops-GB

Dresden 2010 calling!

Der ausführliche Auswertungstext der [ALB] zu den Gegenprotesten zum Neonazi-Großaufmarsch 2009 im Februar in Dresden.

Dresden 2010 calling!

Auswertungstext der Antifaschistischen Linken Berlin [ALB] zu den Aktivitäten gegen den Neonazi-Großaufmarsch in Dresden am 14. Februar 2009

Times are changing
Die Gegenaktivitäten zum Neonazi-Aufmarsch in Dresden im Jahr 2009 stellen einen Perspektivenwechsel dar. Nie zuvor kamen mehr Menschen aus der gesamten BRD nach Dresden und brachten ihren Protest auf die Straße: Etwa 4.000 Menschen nahmen an der Demonstration des neu gegründeten, bundesweiten Antifa-Bündnis „No Pasaràn!“ teil. 8.000 Menschen beteiligten sich an den Aktionen des zivilgesellschaftlichen „Geh Denken!“-Bündnis und mehrere Hundert an den Protesten des antideutschen „venceremos“-Bündnis am Vortag. Unbestritten ist die unterschiedliche inhaltliche und aktionistische Ausrichtung der Gegenproteste. Nichtsdestotrotz stellt allein die Masse an Menschen, die den Neonazi-Aufmarsch in Dresden als bundes-, ja europaweites Problem begreifen, einen eindeutigen Wandel dar. Unsere politische Bewertung der Vorbereitungen der Gegenproteste, des Verlaufes des 14. Februar 2009 und die Konsequenzen, die wir daraus für 2010 ziehen, sind Gegenstand dieses Textes.

„Hingehen, wo was geht“ – ALB und IL mobilisieren nach Dresden
Im Nachlauf der 2007 im Antifaschistischen Info Blatt (AIB) begonnenen Debatte um Ziele und Perspektiven antifaschistischer Politik fand im März 2008 in Marburg eine Podiumsdiskussion zwischen VertreterInnen der [ALB], Avanti, der Antifaschistischen Linken International Göttingen [ALI] und der Antifa KOK Düsseldorf statt. Als Folge der Diskussion entwickelte sich innerhalb des bundesweiten, bewegungsorientierten Zusammenschlusses Interventionistische Linke (IL) die Ansicht, dass der jedes Jahr in Dresden stattfindende Neonazi-Aufmarsch ein gemeinsames Thema für eine breit angelegte Antifa-Mobilisierung sein muss.
Gründe dafür waren und sind die Relevanz des Aufmarschs für die extreme Rechte, der dort vertretene Geschichtsrevisionismus und dessen thematische Anschlussfähigkeit an die bürgerliche Mitte in der BRD, in Sachsen und insbesondere in Dresden. Dort ist ein Neonazi-Aufmarsch von einer Dimension entstanden, der in der BRD aktuell ohnegleichen ist. Um es verkürzt, aber eindeutig zu sagen: In Dresden sind die politischen Koordinaten der vermeintlichen Mitte der Gesellschaft weit nach rechts verschoben. Der gesellschaftliche Diskurs zum Thema Bombardierung und einhergehender Täter-Opfer-Umkehrung bewegt sich so weit rechts, dass ein gemeinsamer Trauermarsch von Neonazis und BürgerInnen möglich war. Hinzu kommt die Tatsache, dass am bürgerlichen Trauern auf dem Heidefriedhof um die deutschen Opfer der Bombardierung jedes Jahr wieder unwidersprochen Neonazis teilnehmen konnten.

Für uns als linksradikale Antifas ist hier der Anlass für eine massenhafte, bundesweite Intervention gegeben.

Wir werden siegen?
Die antifaschistische Gegenmobilisierung der letzten Jahre wurde vor allem durch antideutsche Antifa-Gruppen im Rahmen des so genannten „venceremos“-Bündnisses betrieben. Zugute halten muss man ihnen den Versuch, den Neonazi-Aufmarsch und seine Besonderheit, nämlich die Anschlussfähigkeit an bürgerliche Diskurse, immer wieder in den Mittelpunkt antifaschistischer Debatten zu rücken. Das Verharren auf einer theoretisch-philosophischen Ideologiekritik beschränkt antideutsche Antifa-Gruppen allerdings in ihrer praktischen Handlungsfähigkeit und führt in die politische Isolation. Ihr entkontextualisiertes Verwenden von Nationalfahnen, das für AntimilitaristInnen unerträgliche Abfeiern von Krieg und Kriegsmaterial in Layout und Texten, die undifferenzierte Gleichsetzung von BürgerInnen und Neonazis sowie das Diffamieren von zivilgesellschaftlichen Versuchen, den Neonazi-Aufmarsch zu stoppen, machten es bewegungsorientierten Antifas unmöglich, sich an den Bündnisbestrebungen von „venceremos“ zu beteiligen.

Mit dieser Ausgangslage gründete sich Anfang 2008 in Dresden das „No Pasaràn!“- Bündnis. Es hat sich zur Aufgabe gemacht, mehr Gruppen aus der antifaschistischen und linksradikalen Bewegung zu mobilisieren und in gegenseitiger Bezugnahme auch mit bürgerlichen Neonazi-GegnerInnen zusammenzuarbeiten. Primäres Ziel war es im Gegensatz zu der Antifa-Mobilisierung der letzten Jahre, sich nicht an den BürgerInnen abzuarbeiten, sondern den größten Neonazi-Aufmarsch in Europa zu verhindern.
In diesem „No Pasaràn!“-Bündnis sahen wir als Antifaschistische Linke Berlin [ALB] und Teil der Interventionistischen Linken (IL) unseren lokalen Referenzpunkt für eine Intervention. Mit einer bundesweiten antifaschistischen Großmobilisierung betraten wir 2009 absolutes Neuland in Dresden.

Berlin fährt Zug
Die An- und Abreise von AntifaschistInnen aus Berlin wurde 2009 bewusst per Bahn organisiert. Hintergrund dessen war, dass schon auf der Anreise als „kritische Masse“ agiert werden sollte, die ein erfolgreiches gemeinsames Handeln in Dresden begünstigen könnte. Zudem gab es in den Jahren davor regelmäßig Angriffe von Neonazis im Zug. Durch die gemeinsame Fahrt konnte dies 2009 – zumindest für AntifaschistInnen aus Berlin – verhindert und den Neonazis etwas Platz in den öffentlichen Verkehrsmitteln streitig gemacht werden.

Allerdings kam es bereits am Treffpunkt in Berlin zu grundlosen Übergriffen der Polizei, die Verletzte und Anzeigen nach sich zogen. Den wenigen Neonazis im Zug wurde genau so viel Platz wie den ca. 400 AntifaschistInnen zugesprochen und die Abfahrt des Zuges massiv verzögert. Beim Umsteigen auf der Strecke nach Dresden gewährleistete die Polizei schließlich, dass in den Anschlusszug vor allem Neonazis einsteigen durften. Viele Berliner AntifaschistInnen kamen dadurch erst mit einiger Verspätung in Dresden an.

Ein derartiges polizeiliches Vorgehen ist unserer Einschätzung nach weder spontan noch zufällig. Es lässt sich allerdings auch durch eine gemeinsame Fahrt im Buskonvoi nicht ausschließen. Dies zeigen nicht zuletzt die Erfahrungen bei vorhergegangenen Großmobilisierungen wie beispielsweise nach Köln gegen den Anti-Islamisierungs-Kongress im September 2008.

Zum Tag selber – Bilder, die weltweit zu verstehen sind
In Dresden fand mit 4.000 TeilnehmerInnen die bisher größte Antifa-Demo statt. Grundlage dafür war die bundesweite Mobilisierung durch bewegungsorientierte Antifa-Strukturen und IL, die auf eine Blockade des Neonazi-Aufmarsches zielte. Hier bleibt festzuhalten: Der Neonazi-Aufmarsch konnte in keiner Weise behindert oder gar verhindert werden. Das muss im nächsten Jahr anders werden.

Für den Verlauf des 14. Februar 2009 bedeutsam war insbesondere das skandalöse und eindeutig gegen links gerichtete Polizeikonzept: Die „No Pasaràn!“-Demo durfte nicht die vorgesehene Route gehen, wurde mehrmals von teilweise schwerbewaffneten Polizeieinheiten angegriffen, musste mit nahezu komplettem Spalier laufen und wurde am Ende gekesselt. Währenddessen marschierten nahezu 7.000 Neonazis aus ganz Deutschland und dem europäischen Ausland unbehelligt und frei von direkten Protesten durch Dresden. In unmittelbarer Nähe des Aufmarsches war kaum Polizei eingesetzt. Dies hatte zur Folge, dass die Neonazis die behördlichen Auflagen durchaus frei auslegten, teilweise vermummt und bewaffnet marschierten und JournalistInnen am Rande angriffen.

Im Anschluss an die Antifa-Demo kam es zu verschiedenen militanten Aktionen gegen die Polizei und deren Fahrzeuge. Diese Aktionen sind absolut nachvollziehbar vor dem Hintergrund der durch die Stadt Dresden und die Polizei provozierten Eskalation im Vorfeld und während der Demo, der weiträumig abgeschirmten Neonazis und vielen teilweise schwer verletzten DemonstrantInnen. Autonomer Antifaschismus heißt auch Unversöhnlichkeit mit den bestehenden Verhältnissen und nicht das schweigende Hinnehmen von staatlicher Gewalt.

Kann Dresden Köln?
Die bürgerlichen Gegenproteste des „Geh Denken!“-Bündnis, dem neben Gewerkschaften und zivilgesellschaftliche Gruppen vor allem demokratische Parteien links von CDU und FDP angehörten, mobilisierten ebenfalls bundesweit gegen den Neonazi-Aufmarsch und schafften es immerhin ca. 8.000 Menschen auf die Straße zu bringen. Dies ist selbstverständlich zu begrüßen.
Vergessen werden darf aber nicht, dass diese Anstrengungen zum Auftakt des Superwahljahres 2009 von statten gingen, in dem sich alle Parteien als der wirksamste Akteur im Kampf gegen Rechts präsentieren wollen.

Ein großes Problem in Dresden stellen die vollkommen unterschiedlichen zivilgesellschaftlichen Strukturen und Rahmenbedingungen im Vergleich zu Köln oder anderen Städten in den westlichen Bundesländern dar. Die meisten TeilnehmerInnen der Gegenproteste kamen über die bundesweite Mobilisierung von außerhalb. In Dresden selbst ist es den fortschrittlichen Teilen der Zivilgesellschaft bisher nicht gelungen, in die Offensive zu kommen. Das bereits erwähnte gesellschaftliche Klima und die insbesondere von der CDU vorangetriebene „Extremismus-Theorie“ münden vor Ort regelmäßig in einer Gleichsetzung von Links und Rechts sowie in der Forderung nach einem stillen Gedenken an die Opfer der Bombardierung. Protest gegen Neonazis ist darin nicht vorgesehen. Von Seiten der Stadt Dresden wurde noch nicht einmal versucht, den Aufmarsch zu untersagen. Im Gegenteil: Ordnungsamt und Gerichte haben den Nazi-Aufmarsch explizit gleichberechtigt mit den anderen Demonstrationen behandelt.

Diese Situation macht es für 2010 noch wichtiger, den Aufmarsch als bundesweites Problem zu begreifen, politischen Druck von Außen zu erzeugen und breit nach Dresden zu mobilisieren. Gleichzeitig muss sich in Dresden aber auch die Erkenntnis durchsetzen, dass Symbolpolitik fernab der Neonazis nichts bringt – wirkungsvoller Protest kann nur heißen, den Aufmarsch der Neonazis direkt zu blockieren.

In diesem Zusammenhang kritisieren wir insbesondere die Symbolpolitik des „Geh Denken!“-Bündnisses. Im Vorfeld des 14. Februar mobilisierten Teile dieses Bündnisses unter anderem mit der Parole „Dresden kann Köln!“ und spielten damit auf die massenhafte Blockade des Anti-Islamisierungs-Kongress im September 2008 an. Am Tag selber war von solcher Entschlossenheit wenig zu spüren: Fernab der Neonazis wurden Bühnen aufgebaut, Reden gehalten, Bratwürste gegessen und Demos durchgeführt. Eine Blockade des Neonazi-Aufmarsches wurde von „Geh Denken!“ zwar im Vorhinein thematisiert – am Tag selber aber nicht einmal ansatzweise versucht. Darin liegt eine gravierende Schwäche in diesem Jahr, aber auch eine Chance für die Zukunft. Wie in Köln 2008 muss es in Dresden künftig gelingen, dass Antifas und zivilgesellschaftliche Kräfte zusammen oder in gegenseitiger Bezugnahme den Neonazi-Aufmarsch blockieren wollen und am entsprechende Tag alles Mögliche tun, um dies in die Tat umzusetzen. Um die Parole „Europas größten Nazi-Aufmarsch stoppen“ ernst nehmen zu können, muss dazu ein Sinneswandel beim „Geh Denken!“-Bündnis stattfinden.

Noch ist nicht allerdings absehbar, ob sich in diesem heterogenen Bündnis diejenigen durchsetzen werden, die CDU, FDP und die Stadt Dresden mit ins Boot holen und weiter auf Symbolpolitik setzen wollen, oder ob es den FreundInnen des praktischen Antifaschismus im Bündnis gelingen wird, im Sinne einer tatsächlichen Verhinderung des Neonazi-Aufmarschs zu agieren. Nicht unwesentlich wird dabei sein, wie sich die Partei DIE LINKE im Lauf des nächsten Jahres positioniert, welche Rolle sie einnehmen will und wie sie ihre Aufgabe definiert. In diesem Jahr hat die Partei alle drei Bündnisse vor Ort unterstützt, direkt mobilisiert wurde von ihren führenden VertreterInnen allerdings nur für die Aktivitäten von „Geh Denken!“. Für das kommende Jahr erwarten wir eine klare und öffentliche Positionierung für eine Blockade der Neonazis – auch innerhalb des Geh Denken-Bündnisses.

Don`t look back in anger – Dresden 2010
Zusammenfassend halten wir fest: Dresden 2009 war mit 7.000 Neonazis der größte und erfolgreichste Aufmarsch der letzten Jahre in Deutschland und Europa.

Trotzdem war es auch mit Abstand die erfolgreichste Antifa-Mobilisierung seit dem Bestehen des Neonazi-Großaufmarsches. Nie waren sich mehr Menschen aus dem gesamten Bundesgebiet der Problematik bewusst und wollten sich dieser annehmen. Nie war die Zahl derer, die sich aktiv dagegen stellen wollten, größer.

Besonders begrüßen wir, dass sich in der inhaltlichen Auseinandersetzung mit dem Neonazi-Großevent ein Wandel vollzogen hat und die Gegenaktivitäten nun auch von bewegungsorientierten linksradikalen Gruppen unterstützt werden. Gleichwohl sind 2009 nicht annähernd alle Vorstellungen umgesetzt worden – der Neonazi-Aufmarsch konnte weder be- noch verhindert werden.

Um dies zu erreichen, muss in Dresden Einiges geschehen. Eine antifaschistische und radikale Linke, die sich politisch ernst nimmt, muss 2010 enorme Anstrengungen verwenden, um den Neonazi-Aufmarsch in Dresden zu blockieren und zu verhindern. Die Auseinandersetzung mit dem Geschichtsrevisionismus der extremen Rechten und der bundesrepublikanischen Öffentlichkeit muss hierbei inhaltliche Grundlage sein.

Blockade und Verhinderung des Neonazi-Aufmarschs müssen von Antifa und Zivilgesellschaft klar und offen als gemeinsames Ziel formuliert werden. Entsprechend muss an dem Tag und im Vorfeld zusammen agiert werden. Die Grundlagen hierfür sind dieses Jahr gelegt worden. 2010 müssen sowohl die antifaschistische als auch die zivilgesellschaftliche Mobilisierung größer und entschlossener werden – und in gegenseitiger Bezugnahme und Akzeptanz vorgehen. Die Relevanz des Neonazi-Aufmarsches und die Einbettung in die speziellen gesellschaftlichen Gegebenheiten in Sachsen und vor allem in Dresden dürften 2009 durch die mediale Aufmerksamkeit noch mehr Menschen deutlich geworden sein. Daran gilt es in den nächsten Jahren anzuknüpfen.

Unsere Aufgabe ist es, jetzt direkt weiter zu machen und neue Ausgangslagen für nächstes Jahr zu schaffen. Wir müssen Neonazi-GegnerInnen noch besser vernetzen und die Zusammenarbeit zwischen Antifa und Zivilgesellschaft stärken, um gemeinsame Aktionen im Jahr 2010 vorzubereiten und dann auch umzusetzen.

Für die Antifaschistische Linke Berlin wird es auf jeden Fall auch 2010 wieder heißen „No Pasaràn! Kein Ort für die Verdrehung der Geschichte – Den Neonazi-Großaufmarsch in Dresden verhindern!“.

Antifaschistische Linke Berlin [ALB], März 2009

Nach dem Motto sowas:
dd1

kommt von sowas:
dd2

anmerkungen zur „krisendemo“ am wochenende in berlin

früh übt sich:

kgk

Andere sehr gut gemachte Bilder finden sich bei meinem hochgeschätzten Freund iGuerilla!

Zusammenfassende indy-Artikel mit allen links zu mitunter recht coolen Bildern und Videos finden sich hier und hier.

Zur Erklärung der Krise ein sehr guter Artikel von Michael Heinrich erschienen in der Taz:

Die Finanzkrise nach Karl Marx

Die Spielregeln, nicht die Spieler

Profitmaximierung und Konkurrenz werden immer wieder Krisen wie die gegenwärtige hervorbringen. Eine Verstaatlichung tauscht lediglich die Akteure aus, ohne die Strukur anzutasten. VON MICHAEL HEINRICH

Nicht nur Politiker, auch Ökonomen haben ihre Not mit der Finanzkrise. Die an Universitäten und in Beratergremien vorherrschende neoklassische Wirtschaftstheorie kennt in ihren Marktmodellen überhaupt keine Krisen. Wenn es doch zu „Störungen“ komme, dann nur durch Eingriffe von außerhalb des Marktes. Daher haben die Neoklassiker jahrein, jahraus den angeblich so effizienten Markt angepriesen, der, wenn man ihn nur ließe, alle unsere Probleme lösen würde – von der Arbeitslosigkeit bis zu den Kosten von Altersrente und Gesundheit.

MICHAEL HEINRICH, 51, ist Mathematiker und Politologe. Er ist Redakteur von Prokla – Zeitschrift für kritische Sozialwissenschaft und lehrt an der Berliner Fachhochschule für Technik und Wirtschaft. Er schrieb „Die Wissenschaft vom Wert“ (Westfälisches Dampfboot, 2003) und „Wie das Marxsche Kapital lesen?“ (Schmetterling, 2008) u. a.

Inzwischen sind die Auftritte der radikalen Marktverfechter nur noch peinlich. So behauptet nun der aus unzähligen Talkshows bekannte Hans-Werner Sinn – derselbe Mann, dem in der Vergangenheit jede noch so niedrige Lohnforderung der Gewerkschaften zu hoch erschien –, er sei schon immer für mehr Regulierung des Finanzsektors gewesen und im Übrigen würden sich jetzt die Nachteile einer Lohnpolitik zeigen, die für den schwachen Binnenmarkt verantwortlich sei.

Keynesianer haben es etwas besser. Sie hatten schon immer auf die Grenzen des Marktes hingewiesen und betont, dass auch Lohnsenkungen nicht automatisch zu Vollbeschäftigung führten. Kapitalismus würde immer wieder Arbeitslosigkeit hervorbringen, da die Investitionen in der Regel nicht ausreichten, um alle Arbeitskräfte zu beschäftigen. Mit einem unerschütterlichen Vertrauen in die Möglichkeiten staatlichen Handelns forderten sie, dass der Staat mit Investitionsanreizen und Konjunkturprogrammen Krisen entgegenwirken solle.

Wer die Wirtschaftskrisen nicht ignorierte oder auf prinzipiell kontrollierbare Störungen reduzierte, war Karl Marx. Dass er jetzt wieder öffentliche Aufmerksamkeit erfährt, überrascht nicht. Zwar ist sein „Kapital“ schon mehr als 140 Jahre alt, doch analysierte Marx nicht bloß den englischen Kapitalismus seiner Zeit. Dieser, so betonte er, diene ihm nur als „Illustration“ der „theoretischen Entwicklung“. Was er darstellen wolle, sei nicht eine bestimmte Entwicklungsphase des Kapitalismus, sondern dessen grundlegende Strukturen und Mechanismen.
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Allerdings müssen die Marxschen Einsichten von den starken Simplifizierungen abgegrenzt werden, die man sowohl bei manchen Marxisten als auch bei vielen Marx-Kritikern findet. Oft wird Marx‘ Ansatz auf eine bloße Arbeitswert- und Ausbeutungstheorie reduziert, wobei seine Untersuchungen zu Geld und Kredit ignoriert werden. Dabei war die Arbeitswerttheorie bereits Bestandteil der klassischen Schule von Adam Smith und David Ricardo, auf deren Grundlage etwa die ricardianischen Sozialisten eine Theorie der Ausbeutung formulierten.

Marx kritisierte an all diesen Theorien, dass sie nur die Austauschrelationen betrachten würden, aber nicht den Charakter der „wertbildenden“ Arbeit. Er selbst fragte nach der Art und Weise des gesellschaftlichen Zusammenhangs in einer auf Warentausch beruhenden Gesellschaft. Einerseits sind nämlich die produzierenden Einheiten (Einzelproduzenten wie auch ganze Betriebe) aufgrund der gesellschaftlichen Arbeitsteilung sachlich aufeinander angewiesen, andererseits erfolgt die Produktion „privat“, das heißt unabhängig von den anderen. Erst im Nachhinein, auf dem Markt, zeigt sich, inwieweit diese private Produktion als Bestandteil der gesellschaftlichen Gesamtarbeit anerkannt wird, indem ihre Produkte nachgefragt werden.

Wo klassische und neoklassische Ökonomen mit den Wirkungen von Angebot und Nachfrage argumentieren, hält Marx zunächst einmal fest, dass sich am Markt die Tauschenden nur über ihre Produkte aufeinander beziehen und sich die gesellschaftlichen Charaktere ihrer Arbeiten daher nur als gegenständliche Eigenschaften der ausgetauschten Waren zeigen. Mit diesen gesellschaftlichen Eigenschaften ausgestattet, entfalten die Waren ein Eigenleben, dem die Menschen ausgeliefert sind: Gebannt starren die Produzenten auf die Entwicklung der Güterpreise, entsetzt blicken die Aktionäre auf die Kursstürze, als handle es sich um Naturereignisse.

Dieser Verselbstständigung des gesellschaftlichen Zusammenhangs, die Marx unter dem Stichwort „Fetischismus“ analysiert, folgt er die drei „Kapital“-Bände hindurch in ihre Verästelungen und deckt eine Reihe „mystifizierter“ und „verrückter“ Formen auf. In der herrschenden Ökonomie werden die von diesen verrückten Formen ausgehenden „Sachzwänge“ bewusstlos reproduziert („Der Markt verlangt …“, „Die Globalisierung erfordert …“).

Allseitig aufeinander beziehen lassen sich die Waren nur durch Geld. Marx betont den grundsätzlichen Unterschied zwischen geldvermittelter Warenzirkulation und Produktentausch: Beim unmittelbaren Tausch A gegen B ist der Verkauf von A mit dem Kauf von B identisch. Beim geldvermittelten Tausch folgt aus dem Verkauf aber nicht automatisch die Verwendung des eingenommenen Geldes für einen Kauf. Die Zirkulationskette kann reißen. Mit der Geldvermittlung ist die „Möglichkeit der Krise“ gegeben. Die Neoklassik hingegen reduziert Geld auf eine bloße Recheneinheit. De facto geht sie damit von einem nicht geldvermittelten Tausch aus und „beweist“ dann, dass es in dieser Fantasiewelt keine Krisen geben kann.

Kapital ist zudem nicht einfach eine Wertsumme, sondern Wert, der sich verwertet, Mehrwert hervorbringt – durch die Ausbeutung menschlicher Arbeitskraft. Diese Verwertung kennt keine innere Grenze, sie ist maßlos. Der Druck der Konkurrenz zwingt den einzelnen Kapitalisten diese Maßlosigkeit auf, ob sie individuell besonders gierig sind oder nicht, spielt dabei keine große Rolle.

Die unmittelbaren Produzenten, die Arbeiter und Arbeiterinnen, sind in dieser auf immer mehr Verwertung ausgerichteten Produktion ein Kostenfaktor, den es zu reduzieren gilt, während gleichzeitig die Produktivität dieses Faktors immer weiter gesteigert werden soll. Diese Konstellation hat nicht nur äußerst zerstörerische Konsequenzen für die Arbeitskraft (wie auch für die Natur), sie bildet auch eine wesentliche Ursache der Krisenhaftigkeit der kapitalistischen Produktionsweise.

Der permanenten Steigerung der Produktivität, die meist eine Produktionsausweitung erfordert, steht eine Tendenz zur Beschränkung der Konsummöglichkeiten gegenüber, da aus Kostengründen Lohnhöhe und Beschäftigtenzahl gering bleiben sollen. Es ist, als ob man beim Autofahren Gaspedal und Bremspedal stets gleichzeitig betätigt, was auf Dauer nicht gut gehen kann. Nicht äußere Störungen, sondern das Ziel kapitalistischer Produktion, die beständige Steigerung der Kapitalverwertung, liegt der krisenhaften Entwicklung des Kapitalismus zugrunde.

Etablierte Wirtschaftswissenschaftler wie linke Kritiker gehen häufig davon aus, dass es sich bei der kapitalistischen Produktion einerseits und den Finanzmärkten andererseits um völlig verschiedene Welten handle. Hier die solide Produktion, dort die windige Spekulation. Dabei wird aber vergessen, dass auch die kapitalistische Produktion auf Spekulation beruht: Auch der Autoproduzent spekuliert beispielsweise darauf, dass die teuren Benzinfresser genug Abnehmer finden – eine Spekulation, die genauso schiefgehen kann wie die Spekulation auf steigende Aktienkurse.

Unzureichend sind auch die momentan gängigen Krisenerklärungen, dass es sich bei den Finanzmärkten um Einrichtungen handle, die der kapitalistischen Produktion zwar äußerlich seien, die aber durch zu viel Spekulation und zu große Risikobereitschaft der Banken und Fonds erheblichen Schaden anrichten könnten.

Derlei Erklärungen hält Marx entgegen, dass eine entfaltete kapitalistische Produktion ohne entwickeltes Kreditsystem gar nicht möglich sei. Was oft mit Bezug auf den Konsumgütermarkt gesagt wird, dass „Autos keine Autos kaufen können“, lässt sich auf den Produktionsmittelsektor übertragen: „Maschinen kaufen keine Maschinen.“ So wie die Arbeitskräfte Löhne benötigen, um ausreichend Konsumgüter nachfragen zu können, benötigen auch kapitalistische Unternehmen Verkaufseinnahmen, um selbst kaufen zu können. Bei einer stark wachsenden Wirtschaft muss zumindest ein Teil dieser Einnahmen in Gestalt von Krediten vorgeschossen werden. Eine entfaltete kapitalistische Ökonomie ist nur bei sich ausdehnenden Kreditbeziehungen möglich. Ein entwickeltes Kreditsystem funktioniert aber nur, wenn der Kredit selbst, das heißt die verbrieften Schulden, zur handelbaren Ware werden, wenn es Finanzmärkte gibt.

Diese handelbaren Finanzprodukte (Aktien, Anleihen, Optionen etc.) bezeichnet Marx treffend als „fiktives Kapital“. Während das „industrielle Kapital“ für Produktionsanlagen und Löhne verausgabt wird, sodass Produkte oder Dienstleistungen produziert werden, die dann mit Gewinn verkauft werden können, stellt das „fiktive Kapital“, kein wirkliches, irgendwo vorhandenes Kapital dar, sondern lediglich einen Anspruch auf bestimmte Zahlungen: bei Anleihen den Anspruch auf Zins- und Tilgungszahlungen, bei Aktien den auf Dividendenzahlung.

In den Börsenkursen werden diese Ansprüche „bewertet“: Steigen die Gewinnerwartungen eines Unternehmens, steigt sein Aktienkurs. Erwartungen können sich in kürzester Zeit ändern, daher können auch Kurse so enorm schnell steigen oder fallen. Das fiktive Kapital entwickelt damit ein Eigenleben, das zwar immer auf die Verwertung des industriellen Kapitals bezogen bleibt, aber nicht als Abbild seiner gegenwärtigen Lage, sondern als Ausdruck der Erwartung seiner zukünftigen Entwicklung.

Daran wird deutlich, dass Finanzmärkte nicht viel mit Spielkasinos gemeinsam haben, wie in der scheinbar plausiblen Forderung „Das Kasino schließen“ unterstellt wird. In einem Spielkasino sind Wahrscheinlichkeiten und Risiken weitgehend bekannt. So übersichtlich geht es an den Finanzmärkten nicht zu. Vor allem aber ist das Spiel im Kasino ein Nullsummenspiel: Dem Gewinn des einen Spielers stehen gleich große Verluste der anderen gegenüber. Im Kasino wird die Summe des Geldes nicht verändert, sondern nur umverteilt.

Anders sieht es mit den Kurswerten an der Börse aus. Habe ich gestern eine Aktie für 100 Euro gekauft, die heute für 110 Euro gehandelt wird, dann ist der Kurswert meines Aktienvermögens um 10 Euro gestiegen, ohne dass ein anderer 10 Euro verloren hätte. Zwar handelt es sich bei den Kurswerten zunächst nur um einen Buchwert; würden alle Aktienbesitzer versuchen, ihre Kursgewinne zu Geld zu machen, würden die Kurse sofort fallen. Trotzdem haben diese Kurssteigerungen ganz reale Auswirkungen. Die Aktienbesitzer sparen weniger und konsumieren mehr, was die Nachfrage belebt und die Unternehmen zur Ausdehnung der Produktion oder zu Preisaufschlägen veranlasst. Vor allem aber können die im Kurs gestiegenen Aktien in höherem Umfang beliehen werden, was häufig zum Kauf neuer Aktien genutzt wird. Das sind jene „Hebelgeschäfte“, die die Eigenkapitalrendite und die Aktienkurse in so schwindelerregende Höhen treiben.

Die Welt des Kapitals scheint völlig in Ordnung zu sein, und nicht wenige Ökonomen bemühten sich darum, dies mit immer neuen mathematischen Modellen der Risikoberechnung auch zu „beweisen“. Wenn aber schließlich zu viele Aktienbesitzer den Buchwert ihrer Aktien in hartes Geld verwandeln wollen, wofür es eine Vielzahl von Anlässen gibt, kehrt sich der ganze Prozess um. Ein guter Teil des „Werts“ des fiktiven Kapitals verschwindet ins Nichts, die Aktienbesitzer verlieren, ohne dass andere gewinnen. Zusätzlich werden jetzt die Kredite, die wegen des Sinkens der Aktienwerte nicht mehr gedeckt sind, von den Banken zurückgefordert und treiben so manchen Aktionär in den Ruin und die Bank eventuell gleich mit, wenn sie zu viele Kredite abschreiben muss.

An dem grundlegenden Charakter des von Marx analysierten fiktiven Kapitals hat sich seither nichts geändert. Allerdings haben sich die Formen dieses Kapitals vervielfacht. Längst gibt es nicht nur Ansprüche auf Zahlungen, sondern davon abgeleitete Ansprüche („Derivate“), also Ansprüche auf andere Ansprüche auf Zahlungen. Die Anspruchsketten lassen sich beliebig verlängern und komplizieren, wodurch die Bewertung eines Papiers von einer Vielzahl von Faktoren abhängig wird.

Zudem sind die Finanzmärkte in den letzten drei Jahrzehnten erheblich schneller gewachsen als die Produktion. Dieses enorme Wachstum ist unter anderem die Folge enormer Umverteilungsprozesse in den entwickelten kapitalistischen Ländern. Während die Reallöhne seit den Achtzigerjahren nur mäßig gestiegen sind, haben Unternehmensgewinne und die Einkommen aus selbstständiger Arbeit enorm zugenommen. Zugleich wurden viele Schwellen- und Entwicklungsländer zu Nettokapitalexporteuren. In Form von Zins- und Tilgungszahlungen exportierten sie weit mehr Kapital in die entwickelten Länder, als sie von dort in Gestalt von Direktinvestitionen und sogenannter Entwicklungshilfe erhalten haben. Immer größere Teile der wachsenden Unternehmensgewinne, der steigenden Einkommen der oberen Einkommensklassen und des den Drittweltländern entzogenen Kapitals flossen in die seit den Siebzigerjahren zunehmend deregulierten Finanzmärkte.

Wenn nun gefordert wird, die Banken und Finanzinstitutionen sollten sich doch auf ihre „eigentliche“ Aufgabe konzentrieren, nämlich die Unternehmen mit Kapital zu versorgen, und sich nicht einer ausufernden Spekulation hingeben, dann gerät das Entscheidende aus dem Blick. Genauso wenig wie der Zweck der Automobilindustrie darin besteht, Mobilität herzustellen, besteht der Zweck des Bankensystems in der Kapitalversorgung. Die Automobilindustrie stellt Autos her, um damit Profit zu machen, Banken vergeben Kredite, um Gewinn zu machen. Beide versuchen ihre Geschäfte so einzurichten, dass der Gewinn maximal wird – nur damit können sie ihr ökonomisches Überleben sicherstellen.

Zu kurz gegriffen ist auch die Forderung nach einer Verstaatlichung des Bankensektors. Wenn eine staatliche Bank nicht permanent mit Steuergeldern unterstützt werden soll, kann sie sich im kapitalistischen Markt auch nicht viel anders verhalten als eine Privatbank. Nicht die jeweiligen Spieler (ob öffentlich oder privat) sind das Problem, sondern die Spielregeln. Soll versucht werden, über ein verstaatlichtes Bankensystem die kapitalistische Produktion in gesellschaftlich sinnvolle Bereiche zu lenken oder sie wenigstens weniger krisenhaft zu machen, dann muss auch in den kapitalistischen Charakter dieser Produktion eingegriffen werden. Die Verstaatlichung einiger Schlüsselindustrien (die sogar vom französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy in die Diskussion gebrachtwurde) würde nicht viel ändern.

Im Unterschied zu manchen Marxisten hatte Marx kein naives Vertrauen in Verstaatlichungen. Um die Spielregeln zu ändern, müsste die Produktion nämlich nicht nur gesellschaftlicher Kontrolle unterworfen werden (was etwas anderes ist als staatliche Kontrolle), vor allem müssten die Ziele und Mittel der Produktion neu bestimmt werden. Solange jedoch Profitmaximierung und Konkurrenz vorherrschen, werden wir immer wieder Krisen wie die gegenwärtige erleben.