Archiv für November 2006

…danke schwesterchen danke…

An folgende Begebenheit habe ich mich vor ein paar Wochen erinnert. Kurz vor und kurz nach der so genannten Wende war meine ältere Schwester schon Punk. Und in der ostdeutschen Kleinstadt in der wir lebten stellte dies schon eine lustige Begebenheit dar. Meine Eltern – die typischen Bildungsbürger und für alles ein offenes Ohr fandes es ganz Okay, wollten aber auch dass sie es nicht übertreibt und immer schön politisch bleibt. Also sie war halt kein Punk, wie wir sie von den jährlichen Eskapaden auf den Antifa-Festivals her kennen.

Logo ist: ich fande meine Schwester natürlich ultracool. Und die Freundinnen und Freunde meiner Schwester natürlich auch. Die sahen immer sehr lustig aus, haben lustige Sachen gemacht und waren immer sehr nett zu mir.

Wie so einige Subkulturen definierte sich die DDR-Punk-Szene auch in der DDR über die Musik. Meine Schwester hörte sich natürlich ein uns aus. Und da ich sehr gern Zeit mit meiner Schwester verbrachte, konnte ich sehr bald auch die meisten Stücke auswendig und bat sie auch mir ein Mixtape aufzunehmen, was sie auch gerne tat.

Nebenbei: bei mir siegte danach erstmal der Heavy-Metal-Einfluss meines Cousins – wenn auch nur (glücklicherweise) für kurze Zeit.

Um ein bischen dichter an den Punkt zu kommen:
Letztens habe ich mich halt an die Zeit damals erinnert und machte mich alsbald daran die verschiedene Bands und Sampler runterzuladen bzw. runterladen zu lassen oder mir die ein oder andere Platte zu kaufen.

Eine Band die mir damals besonders gut gefiel war Sandow und deswegen habe ich mir auch die LP „Stationen einer Sucht“ von ihnen gekauft.

sandow
– krasses bild von sandow aus der doku „flüstern & schreien“ 1987 –

Hier der Song „Kinder des Verbrechens“:

Und der Text dazu:

KINDER DES VERBRECHENS

die unschuld war durchstochen
mir war die welt lebt tot
die luft kam reingeschossen
meine haut floß rot
die luft ging durch die knochen
die luft ging ins gehirn
sie tauschte dort mein blut aus
ich konnt‘ den magen hören
mein magen knurrt so traurig
wie mein kleiner hund
als er zum erstenmal seinen breitgelatschten schwanz erblickte

wir sind die kinder des verbrechens
die kinder unser selbst
im zuge des erbrechens können wir auch lachen

meine tränen sind jetzt wolken
baumeln dort am himmelsloch
wenn ich lache
fallen sie runter
füllen mir meinen leeren kopf
letztens bin ich hingefallen
genau auf’s gesicht
auf einmal waren die wolken weg
und ich hatt‘ auch keinen tränen mehr
mein hund hat keinen schwanz mehr
wir springen beide rum
wir lachen voller unschuld und haben keine mehr
mein hund ist frech geworden
er verweigert den befehl
erst wollt‘ ich ihn erschiessen dann hab‘ ich ihn gequält

Alles klar sage ich mal – ob das in der prägenden Phase so gut war? Ich weiß es nicht… Aber trotzdem freue ich mich, dass meine Schwester oft mit mir zusammen (Punk)-Musik gehört hat.

Zum Wochenende:
Empfehlungen:

Freitag:
Demo gegen Antisemitismus in Frankfurt (Oder)

Samstag:
Actions in Halbe oder Seelow

Sonntag:
Fightclub mit Jesse B.

Okay, soviel von mir erstmal – nach dem Wochenende wieder mehr…

King Django – roots & culture

Auch wenn ich in den letzten Jahren nicht mehr so gerne und viel Ska höre – ziemlich lange habe ich gesucht bis ich folgende Platte irgendwo erwerben konnte:

king

King Django – roots & culture ist nen Album, dass traditionellen Ska mit Klezmer mixed. Ich hatte immer so ein zwei Tracks von der Platte und freue mich dementsprechend jetzt alle zu haben.

king-scratch

King Django (auf dem Bild links mit Lee Scratch Perry) ist einer der Ney York Ska Heroes, einer der angesehensten amerikanischen Ska-Produzenten und ein richtig guter MC.

Wen es interessiert hier ein paar Links:

King Django Homepage
virtual klezmer zu roots & culture
wikipedia über King Django
sein label – stubborn records
Außerdem noch ein Artikel aus der jewish news phoenix über Ska, Klezmer und King Django.

…nen paar Sätze zum Wochenende…

Mein Wochenende war ganz okay. Freitag war ich im raw-Tempel zu drum&bass – war nicht so doll, mich hat es da nicht allzu lange gehalten, liegt aber eher daran, dass es nicht ganz meine Musik ist und ich aufgrund von Arbeit eh schon seit 5Uhr morgens wach war.
Samstag Abend war ich dann im Franken – da war ne ganz lustige DJ-show. Der DJ hat die ganze Zeit ganz gute 80er&Trash-Musik aufgelegt und das Publikum konnte dann die Platte direkt vom Plattenspieler ersteigern. Aus welchem Grunde auch immer: Wohlgefallen oder aber auch wegen des Zieles das Publikum von der Musik zu befreien.
Leider gab es da so ne Combo Spanier, die es sich zur Aufgabe gemacht hatte die Preise in die Höhe zu treiben. Nerviger wiederum waren nen paar Skate-Punkrocker-Kinder, die meinten die Platten an einem Pfosten zerschlagen zu müssen und mir gleichsam die Platten in den Nacken zu hauen. Irgendwie nicht so gemütlich. Es hat sich dann aber geklärt.

Am Sonntag habe ich dann von einem wundervollen Menschen ein schönes Geschenk bekommen:

plakate

In dem Buch finden sich ca. 190 politische Plakate jeglicher politischer Coleur, die meisten hat man irgendwan schonmal in Zeitschriften oder Geschichtsbüchern gesehen und gerade deshalb lohnt sich immer mal wieder ein Blick in das Buch. Dankeschön an dieser Stelle nochmal an die Schenkerin, die das Buch auch gerne selbst behalten hätte…

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Wenn sich in einer Brandenburger Gaststätte über 200 Nazis aus dem Umfeld der Heimattreuen Deutschen Jugend versammeln, eine Journalistin zusammenschlagen, keine Bullen vor Ort sind und auch erst 45min nach dem tätlichen Angriff auf die Reporterin eintreffen, hat die Märkische Allgemeine nicht anderes zu tun, als die Polizei zu loben, dass sie angebliche Auseinandersetzungen zwischen „Linken und Rechten“ zu verhindern wusste.

Wahnsinnig, wie ich finde:

Großeinsatz in Blankenfelde

Polizei verhindert Auseinandersetzung zwischen Linken und Rechten

BLANKENFELDE Die Parkplätze von Aldi und Reichelt in Blankenfelde waren am Sonnabend fast zu 100 Prozent belegt. Kunden waren allerdings die wenigsten Parker. Den Großteil der Stellflächen beanspruchten Polizeifahrzeuge. Mehr als 100 Polizisten aus Brandenburg und Berlin waren angerückt, um Auseinandersetzungen zwischen linker und rechter Szene zu verhindern.

Der Grund war eine als „Kulturveranstaltung“ deklarierte Versammlung mit etwa 200 Personen in der nahe gelegenen Gaststätte. Die Polizei spricht von „Personen der rechten Szene“. Andere vermuteten, dass es sich um Mitglieder der „Heimattreuen deutschen Jugend“ sowie um Mitglieder der NPD handelte.

Nach Polizeiangaben kam es gegen 10 Uhr unweit der Gaststätte zu einem tätlichen Angriff. Eine Fernseh-Journalistin wurde von einer Gruppe der Versammlungsmitglieder angegriffen, eine Person verletzte sie am Auge. Daraufhin rief sie die Polizei. Die befürchtete, dass ähnlich wie am 2. November in Zossen vor allem Mitglieder der linken Szene, aber auch andere Personen gegen die Versammlung protestieren würden und es dann zu Ausschreitungen kommen könnte. Deshalb entschied sich die Polizei für den Großeinsatz. Etwa 20 Demonstranten mit Schildern und Transparenten fanden sich unweit der Gaststätte ein. „Nazis raus“ war zum Beispiel zu lesen. Auch Mitglieder der „Autonomen Antifa Teltow-Fläming“ waren dabei. Gegen 18.30 Uhr wurde die Veranstaltung beendet. Für zwei Demonstranten gab es laut Angaben der Polizei Platzverweise. Weitere Störungen oder Straftaten meldete sie nicht. hm

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Nachtrag:

Grade im TV, ne Frau bei einer Flirtshow über ihren Traumpartner:

„Er sollte nen guten Humor haben, den ich auch verstehe…“

Das ist von Vorteil.

…how to be emo…

Nen lustiger Film, der innerhalb 20min, die emo-Subkultur in humoristischer Weise vorstellt, auf die wichtigsten Merkmale und Hintergründe eingeht und auch die ein oder andere groteske Ausformung herausarbeitet.

Zahlenspiel brandenburger Art…

In Brandenburger Justizvollzuganstallten ist jeder 8. Inhaftierte (also 12,5%) klar der rechtsextremen Szene zuzuordnen.
Bei den Jugendlichen ist es sogar jeder vierte Inhaftierte (25%).

„Die Befragung ist zwar inzwischen sechs Jahre alt. „Aber die Kriminalstatistik lässt darauf schließen, dass es heute in den Gefängnissen kaum anders aussieht“, sagt Theine.“

Ich sag es mal so, besser da als woanders – andererseits sagt dies natürliches einiges über die Brandenburger Verhältnisse aus.